Alaska Airlines Sitka

Warum ich die USA vorzeitig verlassen musste…

Manch einer hat es wahrscheinlich schon geahnt, da es in letzter Zeit sehr ruhig um meinen Blog geworden ist. Vergangenen Donnerstag 18 Uhr war es so weit, ich musste Sitka -das ich über die vergangenen Monate so lieb gewonnen habe- vorzeitig verlassen. Mit Wehmut und Tränen in den Augen, jedoch ohne „Peter Zwegat Blitz-Donnerereffekt“ wartete ich nun ein letztes Mal am Gate auf meinen Flieger. Eine letzte Verabschiedung von meinen Gasteltern und dann war der Zeitpunkt der Verabschiedung gekommen. Warum so überraschend? Was ist passiert? Weshalb? Die ganze, dramatische Geschichte gibt’s nach dem Break.

Ganz so schlimm war es dann eigentlich doch nicht, denn es ging nicht etwa zurück nach Deutschland, sondern mit meinen Gasteltern (Sonia und David) ins Eldorado der metrischen Einheiten, Grad Celsius, bilingualer Kleinganoven, Opel-Autos und europäischer Hotelketten: nach Cancun. Warum musste ich mich überhaupt verabschieden? Ganz Simple: Leider hatte ich es nicht auf die Upgradeliste für die First Class geschafft, sodass uns ca 25 Sitzreihen trennten. Springbreak und Cancun mag nun erst einmal seeehr klischeehaft klingen, sobald ihr die Bilder seht, könnt ihr sicherlich nachvollziehen, weshalb es auf jeden Fall eine Reise Wert ist.

Die Anreise:

Die Reise nach Cancun startete wie bereits erwähnt am vergangenen Donnerstagabend, wobei wir erst einmal nur -mit Stopp in Juneau- nach Seattle geflogen sind. Nach drei Stunden Schlaf ging es dann für mich wieder zurück zum Flughafen um gerade noch meinen „Red eye“ Flug nach Phoenix zu erwischen. Den größten Teil des Fluges habe ich dabei geschlafen. Kurz drauf wollte ich dann meinen Gangsitzplatz für den Weiterflug nach Cancun einnehmen. Leider war dieser schon besetzt. Na toll, widerwillens erinnerte ich mich an einen Diskussion vor zwei Monaten ala „This is my seat no matter what it says on your boardingpass“. Dieses Mal bittete mich jedoch nur eine Mutter darum mit mir zu tauschen, um bei dem Rest der Familie zu sitzen. Kurz nachdem ich meinen neuen Sitzplatz eingenommen hatte, wurde ich wieder gefragt, ob ich nicht tauschen könnte. Irgendwann fühlte ich mich dann etwas wie bei „Reise nach Jerusalem“ und zu allem Übel endete ich dann noch neben einem deutschen Reisepaar. Das Übel bestand konkret aus zwei „Silversurfer“ Schwaben auf dem Weg nach Cancun. Anfangs waren sie damit zufrieden, dass ich jede Verspätungsdurchsage (es waren viele) mehrfach wiederholte und ihre einmal jährliche „Vielfliegererfahrung“ lauschte. Als ich ihnen erzählte, dass ich ebenfalls Mal in Deutschland lebte ging es erst richtig los, ich musste mir fast schon vorwurfsvoll anhören, warum ich nie spanisch in der Schule lernte, ihnen geschlagenen 4 Stunden unterbrochen zuhören wie sie den AA-Magazin Artikel zum Thema „Kaktus“ Wort für Wort übersetzten. Bester Kommentar hierbei war: „In den USA schreibt man facts wohl FAQ“. Gut erkannt Watson. Überhaupt gibt es NICHTS was einen dazu bewegen könnte das gelobte Schwabenland zu verlassen um nach Alaska (das bekanntlicherweise in Kanada liegt) zu ziehen. Die Odyssee wurde perfekt als als wir Dank Triebwerksschaden, Piloten Timeout und selber Triebwerksschaden an einem anderen Flugzeug aus Kansas gezwungenermaßen 4 zusätzlich Stunden miteinander verbringen mussten. Als ich dann gegen 24 Uhr endlich im feucht-schwülen Cancun ankam, hatte ich erst einmal genug von meinen werten Landsmännern. Für deutsche Verhältnisse mag diese Reise unglaublich lang (ca 6000 Meilen einfach/24 Stunden) und kompliziert klingen, für „Alaskans“ sind Cancun und Hawaii jedoch eine der am einfachsten (warmen) erreichbaren Reiseziele.

Chichen Itza und Tulum

In Chichen Itza und Tulum befinden sich einige der berühmtesten Mayabauten der Welt. Um den größten Touristenströmen zu entgehen, machten wir uns bereits in aller Früh zum knapp drei Stunden entfernten Chichen Itza auf. Bereits die Fahrt dort hin war ein kleines Highlight, denn wir fuhren auf Autobahnen die wie leer gefegt wirkten. Am Seitenrand fuhren manchmal Leute mit Fahrrädern, obwohl dies offiziell verboten war. So ähnlich muss es wohl auch sein, wenn man in Nordkorea fährt. Das frühe aufstehen hatte sich in der Tat gelohnt, denn es war anfangs noch relativ ruhig. Am Eingang gab es zwei verschiedene Kassen, eine für Mexikaner und eine für „Gringos“. Die Rechnung für Touris war dabei relativ einfach, man nehme den Mexikaner Preis und multipliziere ihn mal drei. Auch ohne Brustbeutel und Ballermann T-Shirt war ich jedoch, bereits rein äußerlich leicht als solcher zu erkennen. Denn viele Mexikaner sind mindestens einen Kopf kleiner als ich und zudem etwas untersetzt. Doch zurück zu den Ruinen. Hier einige Bilder aus Chichen Itza:

Nach knapp vier Stunden machten wir uns dann ins knapp zwei Stunden entfernte Tulum, die einzige Mayaanlage, die direkt am Meer steht auf. Der Ausblick war in der Tat traumhaft. Hier noch einige Bilder aus Tulum:

Nightlife in Cancun

Da Cancun natürlich auch berühmt-berüchtigt für sein Nachtleben ist, konnten wir uns diesen Teil natürlich auch nicht entgehen lassen. Sobald man durch die Partymeile von Cancun läuft versucht gefühlt jeden halben Meter jemand einen in seinen Club zu ziehen. Das besondere dabei ist, dass alle Clubs offensichtlich zusammenhängen. Die Clubs sind relativ gut, wenn auch nicht unbedingt preiswert (30-90 USD Eintrittspreis). Die genauen Details erspare ich euch hierbei, da alles das in Cancun geschehen ist, bekanntlich in Cancun bleibt. 😉 Insgesamt war ich jedoch sehr überrascht, dass es relativ weniger überlaufen war, als viele meiner Kollegen voraussagten. Im Hotel in Seattle hatte ich dann im Nachgang erfahren, dass dieses Jahr Hawaii offensichtlich im Trend der Feierwütigen liegt.

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Eines der schönsten Erlebnisse dieser Reise war ein Ausflug nach Akumal. Akumal, ebenfalls auf der Yucatan Halbinsel gelegen, ist nicht nur ein großartiger Ort zum baden, sondern auch zum Schnorcheln. Mit Schnorchel, Flossen, Brille und GoPro bewaffnet ging es dann auf Entdeckungsreise. Unter Wasser gab es unzählige Wasserschildkröten, Kofferfische, Barrakudas, Stachelrochen und Schiffshalter zu sehen. Da David  für einige Zeit als Tauch- und Schnorchel Ausbilder gearbeitet hat und mir somit wertvolle Tipps geben konnte, klappte es nach einiger Zeit ganz gut. Meine wichtigste Lernerfahrung dabei war, dass man nicht unbedingt durch die Nase ausatmen sollte. 😉 Insgesamt hat es riesig Spaß gemacht und wir haben unseren Tag dann noch bei einigen Tacos und Bier (Hoch lebe meine neu gewonnene mexikanische Volljährigkeit!) ausklingen lassen.

Mexikanisches Essen

Was soll ich sagen; Mexikanisches Essen ist einfach großartig und schmeckt vielfach besser als das Essen, dass einem in Sitka oder Deutschland als mexikanisch untergejubelt wird. Eigentlich begann jeder Morgen mit frischen Tacos. Mein größtes Problem war immer die Speisekarte vom Lieblingsmexikaner, der leider kein Wort englisch sprach. Obwohl ich in weiser Voraussicht noch mein kleines „Spanitinum“ gemacht habe, musste ich dann festzustellen, dass Mexikaner teilweise ganz andere Wörter verwenden. Ich sah es positiv, ist wahrscheinlich irgendwie Teil des Reisens und manchmal ist es besser, wenn man gar nicht so genau weiß, was überhaupt vor einem auf dem Teller liegt.
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Der Heimweg:

Die Rückreise war im Großen und Ganzen wenig spannend, bis auf die Tatsache, dass ich in die First Class geupgradet wurde. Obwohl ich schon eifrig an meinem MVP Status arbeite (Halbzeit ist schon geschafft 😉 ), fliege und buche ich bisher noch immer Economy Class. Am Gate in Phoenix bat mich der nette American Airlines Mitarbeiter schnell zu ihm zu kommen. Er zerriss mein Ticket von Phoenix und Seattle und drückte mir kurz darauf ein Ticket mit Sitzplatz 3A in die Hand. Wie war es? Der Sitzabstand und die Sitze Ansicht waren echt gut, sodass ich wirklich (erholsam) schlafen konnte. Das Essen, dass aus einem warmen Cookie bestand, war eher Geschmacksache. Da man einem geschenkten Gaul bekanntlich nicht ins Maul schaut, freute ich mich dennoch riesig darüber.

Bitte entschuldigt, dass es in letzter Zeit etwas ruhig um meinen Blog war, dies hatte unterschiedliche Gründe. Jedoch überwiegend, dass ich einfach viel zu beschäftig mit allem möglichen (SGA, College, Volunteering, Babysitting, Überstunden und DIY Projekten) war und mir auch etwas die Lust zum schreiben fehlte. Ich hoffe, dieser Beitrag hat euch gefallen. Über euren Kommentar würde ich mich wie immer sehr freuen. Bald kommt hoffentlich auch ein Post zum Thema arbeiten in den USA sowie zu allem anderen, das zwischen Januar und März passiert ist.

Cheers.
Alex

PS: Bitte entschuldigt meine Sturmfrisur, es war jedoch unglaublich windig 🙂

Veröffentlicht von

Alexander Bilz

Mein Name ist Alexander Bilz, ursprünlich komme ich aus der Nähe von Augsburg, jedoch werde ich im Rahmen des 32. Parlamentarischen Panteschafts Programms ein Jahr in den USA verbringen. Meine zahlreichen, kuriosen und nützlichen Geschichten teile ich hier auf diesem Blog.

7 Gedanken zu „Warum ich die USA vorzeitig verlassen musste…“

  1. Hee, das war doch gemein. Aber die tolle Bilder machte alles wieder gut. Besonders das mit dem Sturmfriseur. ;). I was relaxing and reading the post when I sat straight up after reading your first paragraph and read it over again. Now you know you are a good writer. Be careful with your powers. (I’m wagging my finger at you.)

    1. I am glad you liked my tabloid styled post. This time I tried to include more personal pictures (base on your recommendation) and all I ended up with are pictures of me with a Donald Trump haircut, but never mind. 😉 I promise that my next post will be more relaxing!

  2. Bei zwei Momenten habe ich „Schnappatmung“ bekommen: 1. Als ich den Titel und 2. als ich die wunderschöne Schildkröten gesehen habe. 😀 Es freut mich, dass du so tolle Ferien in Mexiko hattest. Viele Grüße Markus

    PS: Toller Artikel. Weiter so! 😀

  3. Hi Alex,

    wenn ich mich nicht persönlich davon überzeugt hätte, dass du noch in Sitka bist, hätt ich`s glatt geglaubt…
    Toller Post und wunderschöne Bilder!
    Danke auch für die wunderschöne, unvergessliche Zeit mit dir in Sitka. Ganz besonders für die grandiose Wal-Tour.

    Take care.

    See you,

    Trudy

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