#10 Lernen Sie heute: Den Unterschied zwischen Bayern und Deutschland

Wie im letzten Eintrag erwähnt, geht es heute um meinen Job im Reisebüro, den ich am 5. Januar begonnen habe. Jetzt denkt ihr Euch sicher, was hat denn die Überschrift damit zu tun?? Zur Überschrift ist u.a. noch folgender „Untertitel“ hinzuzufügen: „Buche Kreuzfahrten auf dem englischen Kanal alias dem Rhein“ Kommt Euch komisch vor? Hier die Aufklärung, aber der Reihe nach:

Nochmal kurz zur Erklärung, da sicherlich ein paar meiner Pappenheimer bis heute nicht wissen, was ich hier überhaupt treibe 😀 😛
Unser Program sieht es vor, von Januar bis Ende Juni ein bezahltes Praktikum zu absolvieren, da wir hier den Einblick in die amerikanische Arbeitswelt bekommen sollen und uns somit Weiterbilden bzw. die Unterschiede zu deutschen Unternehmen kennenlernen sollen.
Da ich etwas im Tourismusbereich haben wollte, war das Reisebüro die beste und einfachste Möglichkeit.

Ich hatte mindestens 20 verschiedene Reisebüros angeschrieben, wovon gerade mal 2 geantwortet haben. Das ist hier so üblich, dass man wenn man sich wo bewirbt, man entweder gar nicht bescheid bekommt bei einer Absage oder nach 5-7 Wochen selbst nachfragen muss…….

Die Einladung zum Vorstellungsgespräch kam von einem der Reisebüros, die meine Kontaktdaten durch das Career Center des College hatten, da war ich nämlich am Anfang um mir Tipps zu holen. Zuerst habe ich mich riesig gefreut, denn am Telefon hat es sich so angehört, als sollte ich nur vorbeikommen um mir alles anzuschauen und sie würden mich sicher nehmen. Ich war froh, denn die Suche nach einem Praktikum hier ist nicht sehr einfach. Was daran liegt, da die meisten Praktika hier unbezahlt sind, wir aber jedoch auf Minimum Mindestlohn (ca. $ 8.25) arbeiten müssen. Ich bekomme übrigens $ 10 die Stunde bei einer Arbeitswoche von 40 Stunden, wuhuu 😀

Mit dem Reisebüro hatte ich ausgemacht, an einem Freitag um 11 Uhr dort zu sein. Deutsch und Pünktlich wie ich bin, war ich um 10:50 Uhr dort. Jedoch war der Senior Chef gar nicht da und die zwei Angestellten wussten überhaupt nicht, dass ich komme. Super dachte ich mir gleich. Nachdem ich mich dann zwei Stunden mit den Angestellten unterhalten hatte, tauchte der Senior Chef auf. Ich händigte ihm nochmals meinen Lebenslauf aus (den 2. den er bekommen hatte von mir) und er meinte gleich, ich solle doch sofort alles soweit fertig machen mit der Angestellten. Da ich aber ein wenig ein ungutes Gefühl hatte, sagte ich, dass ich das erst mit meiner amerikanischen Agentur absprechen müsse, woraufhin der Chef mich fragte, was das mit der amerikanischen Agentur auf sich hat. Nachdem ich ihm das erklärt hatte, fragte er doch tatsächlich: „Ach du bist gar keine Amerikanerin???“ Und ich dachte mir nur: Äh, für was hat der meinen Lebenslauf im Voraus bekommen??????

Leider war meine Suche nach etwas anderem erfolglos. Jetzt bin ich also hier äh.. anwesend. Das Wort trifft es ganz gut, zu tun ist für mich meistens nicht so viel. Da bin ich aber nicht die Einzige von uns 75, glaube größtenteils sollte man hier nicht zu viel erwarten.. Naja, an manchen Tagen habe ich dann doch so einiges zu tun, nachdem ich auch endlich mal Sachen bekomme, die doch tatsächlich mit Reisen zu tun haben. Auch war ich schon zweimal mit dem Junior Chef auf Meetings von Hotels, etc. Beim Ersten wurde ich vorgestellt und alle haben natürlich gefragt, von wo ich denn aus Deutschland komme.
Gaaaanz am Anfang des Jahres habe ich immer gesagt als ich gefragt wurde, von wo genau: „Aus dem Süden Deutschlands, aus Bayern, aber im Norden Bayerns.“ Nach ein paar mal dachte ich mir dann, komm´ lass gut sein, die meisten sind schon bei Bayern ausgestiegen 😀 Deshalb sage ich jetzt meistens nur noch aus Bayern und evtl. Nürnberg bzw. aus der Nähe von Frankfurt hahahaha.

Jedenfalls als ich das beim Meeting sagte, fragte der Junior Chef doch ernsthaft laut: „Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Bayern und Deutschland? Das habe ich mich schon immer gefragt.“
Ich dachte ich hör nicht recht, dem gehört ein Reisebüro, Betonung REISEbüro und der weiß sowas nicht????? Hätte ja fast laut gelacht aber das habe ich mir dann lieber verkniffen. Zugegeben, ich wusste auch nicht wo Turks and Caicos ist (eine Insel in der Karibik), die hat aber auch nicht wirklich eine große und wirtschaftliche Bedeutung in der Welt so wie Deutschland……

Anderes Beispiel hierzu: In den Katalogen für Kreuzfahrten auf dem Rhein/Main/Donau habe ich Kitzingen entdeckt und das  der einen Angestellten gezeigt. Sie meinte, sie ist da schon entlang gefahren, auf dem Rhein. Sie ist die Route mit dem Finger im Katalog entlang gefahren, hat ihren Standpunkt aber immer wieder verloren und deutete dann auf den Englischen Kanal und meinte: „Ah hier, hab den Rhein wieder gefunden, das ist der Rhein stimmt’s???“ Betonung: sie arbeitet ebenfalls hier im REISEbüro…. Habe ihr dann freundlicherweise erklärt, dass das er englische Kanal ist und da nur die Fähre von Calais nach Dover fährt….

Heute früh im Radio hat einer eine Gondelfahrt in Venedig gewonnen, er wurde gefragt, ob er denn wisse, in welches Land die Reise für ihn geht. Seine Antwort: „Paris“ …. dann „Frankreich?“ Nachdem ihm dann die netten Leute vom Radio aufgeklärt haben, dass er nach Italien fliegt, meinte der Gewinner nur: „Ja ich war so aufgeregt..“ Jaaaaa ne ist klar, bei Aufregung kann es schon mal passieren, dass Paris plötzlich ein eigenes Land ist…. 😀

Also ich könnte immer wieder lachen bzw. weinen wenn ich sowas höre. Amerikaner haben generell nur EIN Jahr Erdkunde in ihrer ganzen Schullaufbahn. Da die meisten da nicht mal ihr eigenes Land komplett kennenlernen, braucht man vom Ausland gar nicht anzufangen. Rein zufälligerweise habe ich hierzu auch wieder ein lussssstiges Beispiel: Als ich einer Mitstudentin am College erzählt habe, dass ich über Silvester in San Diego bin, meinte sie: „Ah San Diego, viel Spaß in Texas!“ Ich: „Äh.. Kalifornien aber danke“ …. 😀 Traurig….. Gut, man kann das aber wiederum nicht von allen sagen, dass sie keine Erdkunde Kenntnisse haben. Gibt immer wieder Ausnahmen 🙂

Nach gut 2 Monaten weiß der Senior Chef auch endlich mal meinen Namen (zu Beginn hat er jeden Tag gefragt..) und dass ich aus Deutschland bin, generell weiß der aber glaube ich immer noch nicht was ich hier eigentlich mache bzw. was es mit dem Programm auf sich hat.
Zum Abschluss zur Beschreibung meines Jobs noch was lustiges: Neulich musste ich First Class Menüs bestellen für Kunden, auf dem Zettel des Senior Chefs stand „Keesh“… ´Was´n das für ´n Fraß´ dachte ich mir, bis ich dann herausgefunden habe, dass es sich um „Quiche“ handelte, der gute Senior das nur falsch geschrieben hatte…. Ja, ich habe nicht gerade ein Büro mit den hellsten Leuchten erwischt….. 😀 

Was bisher sonst noch passiert ist:
Im Januar waren Abby, Michelle und ich Schlittschuh laufen im Millenium Park und im Shedd Aquarium. Ansonsten ist leider nicht wirklich was aufregendes passiert, da ich unter der Woche nur meine Zeit im Büro absitze und froh bin, wenn es Freitag 17 Uhr ist und ich nach Hause kann. Am Wochenende sind wir dann meistens hier irgendwo unterwegs.

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Super Bowl am 7. Februar:

Der Super Bowl (Spiel um die Football Meisterschaft) ist DAS Event hier. Die meisten Leute machen Football Partys mit ganz viel Essen und Deko etc etc. Dan, Abby und ich haben es nur im TV zu Hause angeschaut. Gewonnen haben die Denver Broncos, die Pokalvergabe war jedoch weniger spektakulär… Das beste am Super Bowl ist die Halbzeit Show, dieses Jahr haben Coldplay, Bruno Mars und Beyonce performt. Das war echt cool. Auch werden zum Super Bowl die neusten Werbespots gezeigt, die meist eeeeeetwas komisch sind, so wie z.B. PuppyMonkeyBaby (WelpeAffeBaby), seht hier (hoffe ihr könnt das sehen, wenn nicht einfach mal Puppy Monkey Baby bei google eingeben, zu gut):


Was in Deutschland passiert ist während ich nicht da war:
Ich habe das 1. Mal seit 16 Jahren meinen geliebten Fasching verpasst, das war richtig schlimm, schlimmer als Weihnachten. Wurde zum Glück von Abby und Michelle „therapiert“, habe eine komplette Kleenexbox geleert und einen 1 Gallon (3,47 l) Eisbecher gegessen… Auch wenn ich nicht dabei war, bin ich super stolz auf meine kleinen und großen Mädels, ihr habt das so toll gemacht! 🙂 Ich liebe Euch und freue mich, wenn ich Ende Juli wieder bei euch bin. 🙂

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Das war’s soweit. Irgendwie traurig, dass es schon in knapp 5 Monaten wieder heim geht. Die Zeit vergeht so schnell, möchte gerne mal auf Pause drücken (am besten am Wochenende hahaha). Im nächsten Eintrag kommt dann wieder etwas mehr aus meinem amerikanischen Alltagsleben hier 🙂

P.S. Ich habe oben im Verzeichnis einen neuen Reiter „Konfetti“ erstellt (neben „The List“), hier habe ich mal ein paar Unterschiede zwischen den USA und Deutschland aufgelistet und beschrieben, was mir hier so alles fehlt 😉

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