Hallo zusammen 🙂
Leider habt ihr lange nichts mehr von mir gehört. Tut mir wirklich leid. Ich bin hier in Übersee vollends eingespannt, aber ich arbeite an meinem neuen Blog-Eintrag in dem ich euch ein bisschen über Mason City erzählen werde, meine ersten Erlebnisse am College teilen werde und was sonst noch passiert ist…
Aber heute habe ich spontan einen Beitrag verfasst, über ein Thema das mich schon länger beschäftigt. Aber lest selbst 🙂
Mittlerweile bin ich seit gut 2 Monaten als „junger Botschafter“ in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe durch ein Stipendium des deutschen Bundestages die Chance bekommen Amerika auf eine neue Weise zu entdecken. Sei es am College, bei der Arbeit oder auf Ebene der Zwischenmenschlichkeit durch meine Gasteltern, Freunde und Bekannte. Um so eine neue Kultur, Lebensweise und neue Einstellungen zu politischen Themen kennen zu lernen. Im Gegenzug habe ich die Chance erhalten als „junger Botschafter“ die deutsche Kultur und Lebensweise den Amerikanern näher zu bringen.
Eines meiner College-Kurse ist „International Relations“. Hingegen der üblichen Einstellung der Europäer die Amerikaner seien nur auf ihr eigenes Land fixiert, habe ich andere Erfahrungen gemacht. Ein großes Thema ist auch hier die verzweifelte Suche, der Flüchtlinge aus Syrien vor dem IS und anderer Kampfhandlungen, nach Schutz und Unterkunft. Während der letzten Wochen habe auch ich versucht möglichst auf dem Laufenden zu bleiben und mir meine Gedanken zu diesem Thema gemacht. Als ich dann beim Lernen für „International Relations“ etwas über Peace Studies gelesen habe, kam ich immer mehr ins Grübeln und ich kam nicht umhin in diesen Worten meine persönliche Meinung zu diesem Thema zu äußern.
Hier heißt es: „Not only evil acts but also exemplary acts of humanity are brought forth by war – sacrifice, honor, courage, altruism on behalf of loved ones, and bonding with a community larger than oneself.” (Nicht nur schlechte Reaktionen, sondern auch Reaktionen von Menschlichkeit sind aus Kriegen hervorgegangen – Opfer, Ehre, Mut, Selbstlosigkeit im Namen von Geliebten und verbunden mit einer Gemeinschaft größer als man selbst.)
Nun bin ich kein Flüchtling, aber auch ich stand vor der Herausforderung mir etwas Neues aufzubauen, neue Freunde und Anschluss in der Gesellschaft zu finden. Dies hat meinerseits hervorragend funktioniert, weil ich aufgeschlossen war für neue Eindrücke und im Gegenzug auch die einheimische Bevölkerung mir sehr geholfen hat und immer sehr freundlich, offen und hilfsbereit war. Ich kann mich glücklich schätzen so nette Gasteltern gefunden zu haben, schon nach wenigen Wochen Teil einer wunderbaren Kirchengemeinde zu sein, viele neue Gesichter zu kennen, mit denen ich Disc Golf spielen kann und die bereit sind noch darüber hinaus mir diese Gesellschaft näher zu bringen. Am College haben wir einen Club für all die internationalen Studenten aus aller Welt, die über Sprache, Religion und Kultur hinaus miteinander leben und das Leben erleben.
Genau dieser Wille und die Begeisterung für das Miteinander und die Erfahrung neue Begegnungen zu machen und eine andere Kultur kennen zu lernen ist nach meiner Auffassung eines der Hauptprobleme von vielen Deutschen in unserer Zeit. Da hört man von vielen“ fundamentalistischen Deutschen“ und vermeintlichen Verfechtern deutscher Werte nur, dass die Flüchtlinge uns nur Unmengen an Steuergeldern kosten und uns unsere Arbeitsplätze klauen und unsere Kultur verloren geht. Allerdings sind diese Kosten nur ein geringer Bruchteil unseres Haushalts und aufgrund des demographischen Wandels ist es durchaus vertretbar ein paar Einwohner mehr willkommen zu heißen. Aber seien wir mal ehrlich, dass so viele Menschen einfach nur aus Jux ihr Land verlassen kann sich bestimmt keiner vorstellen. Es ist immerhin ihre Heimat, ihr Vaterland, in dem Sie aufgewachsen sind, ihre Arbeit hatten und mit dem sie viele Erinnerungen verbinden. Würde man so einen Ort verlassen, eine unmenschliche Reise auf sich nehmen, nur um mit hunderttausenden anderen Flüchtlingen in Auffanglagern und Notunterkünften die Zeit zu überbrücken um eine vermeintlich bessere Zukunft zu haben. Alle die der Auffassung sind, diese Flüchtlinge wollen nur von unserem guten Sozialsystem profitieren, sollten sich diese Frage einmal selber stellen!
Diese Dekadenz finde ich in der heutigen Zeit untragbar. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der früher oder später jedes Problem in der einen oder anderen Weise uns alle betrifft. Auch wir waren einst Flüchtlinge und Kriegsopfer denen mit ausländischen Geldern der Wiederaufbau unseres wunderbaren Landes, unseres Vaterlandes, ermöglicht wurde. Auch wenn ich es nicht gutheiße die Deutschen immer nur auf die Rolle als Hauptakteure und Provokateure der Weltkriege zu beschränken, sollten wir es nie ganz vergessen.
Natürlich bin ich der Meinung, wenn wir uns dazu bereit erklären Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, dass diese sich dazu bekennen die deutsche Kultur und Lebensweise zu akzeptieren, respektieren und damit leben. Wir sind z.B. ein christlich geprägtes Land mit anderen Werten und Identitäten, die es gilt zu erhalten!
Wir können dieses Problem aber nicht nur auf andere verlagern sondern müssen uns an unsere eigene Nase fassen. Wenn man mit einem Finger auf jemanden zeigt, zeigen drei andere Finger zurück. Ich sehe das große Problem eher bei uns selber. Wir können nicht andere dafür verantwortlich machen, dass wir unsere über Jahrhunderte alten Traditionen und Bräuche verlieren. Das Problem liegt darin, dass wir mehr und mehr uns nur noch für uns selbst und das eigene Wohlbefinden interessieren. Wenn sich immer mehr Mitbürger z.B. von Kirche abwenden, ist es kein Wunder das islamistische Fundamentalisten immer mehr Zulauf gewinnen können, da diese ihrem Glauben treu sind. Es liegt an uns, unsere Kultur, unsere Traditionen und Bräuche zu schützen. Wir müssen uns selber zu unserem Vaterland, zu Deutschland bekennen! An dieser Stelle kann ich nur an jeden appellieren sich den Leitspruch der Schützen einmal in den Kopf zu rufen: „Glaube, Sitte, Heimat“
Für mich die essentiellen Worte um uns wieder zu uns, zu uns als Deutsche zu bekennen.
Diese Worte werden in den Reihen der Schützen so oft in die Gedanken gerufen, in Reden und Satzungen. Aber was bedeuten Sie für jeden einzelnen von uns.
GLAUBE – Es ist nicht nur der Glaube an Gott, sondern auch der Glaube an Zusammenhalt, Verbundenheit und Gegenseitigkeit.
SITTE – Es sind unsere Sitten und Bräuche die uns zu dem machen was wir sind und mit dessen Hilfe wir nie unsere Identität und Werte verlieren.
HEIMAT – Es ist der Ort an den wir gehören, zu dem wir uns bekennen, uns wohl fühlen, wir unsere Freunde und Familie haben, ein Ort an dem wir Erinnerungen teilen, gute und schlechte.
Dies sind die Grundwerte eines gemeinschaftlichen Miteinanders und das über kulturelle, sprachliche und religiöse Grenzen hinaus. Um dieses WIR-Gefühl zu stärken reicht es schon sich in einem Verein zu engagieren und so für ein gutes Miteinander zu arbeiten. Allerdings hilft es nicht, einmal die Woche einer Demonstration gegen die Aufnahme von Flüchtlingen beizuwohnen, fremdenfeindliche Parolen zu rufen und gegen Ausländer zu hetzen. Lasst die Flüchtlinge ein Teil dieses Miteinanders werden, sowie auch ich Teil einer neuen Gemeinschaft geworden bin. Man muss sich nur auf neue Dinge einlassen und darf dabei seine Wurzeln nicht vergessen. Es gibt gegenseitig soviel zu lernen, über neue Kulturen, andere Bräuche und einfache Kleinigkeiten die das Leben bereichern. Neue Essensgerichte, andere Bücher und Filme, die jedem einzelnen seinen persönlichen Horizont erweitern!
Wir leben in einer immer kleiner werdenden Welt, in dem alle aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Dieser Prozess ist in vollem Gange und wir haben uns darauf eingelassen ihn mitzugestalten und uns dazu entschieden Flüchtlinge aufzunehmen. Es liegt aber an uns wohin wir diesen Prozess leiten und wohin der Weg führt!