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hello from the other side

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Dieser Moment, wenn du deine Freunde auf der Straße siehst und 5 Meter früher schon anfangen musst zu grinsen. Dämlich zu grinsen. Über das komplette Gesicht. So oder so ähnlich lief das Wiedersehen mit Didi ab. Wie Pinguine watschelnd und lauthals schreiend. Was die anderen Leute denken? Uns doch egal! Schließlich habe ich die liebe Dezire schon knapp 4 Monate nicht mehr gesehen. Nach den vielen Umarmungen und Freudenschreien sind wir auch schon los. Unser Ziel: Der Grand Canyon.

Nach der letzten Woche im Schnee hab ich mich diese Woche sehr auf die Hitze in Phoenix gefreut. Sprich alle noch vorhandenen Sommersachen eingepackt und die Winterjacke in Bellingham gelassen. Fehler. Schwerer schwerer Fehler. Mit jeder gefahrenen Meile wurde es kälter. Und kälter. Und kälter. Hallo? Ich dachte in Arizona ist es heiß. Wüste? Kakteen? Diese Regel trifft wohl nicht auf den Norden Arizonas zu, wo der Grand Canyon liegt. Also das hätte mir ruhig mal einer sagen können. (Mein Gastpapa Todd hat noch gemeint check das Wetter bevor du fliegst. Es kann kälter werden hat er gesagt. Verpeilt wie ich manchmal eben bin, hab ich das auch gemacht. Also für Phoenix und nicht für den Grand Canyon. Hab natürlich nicht verstanden was er gemeint hat bei fast 30 Grad. Am Canyon dann angekommen, fiel es mir dann natürlich wie Schuppen von den Augen. Danke für die Warnung Todd- hab sie nicht verstanden)

Hier liegt Schnee. Und es ist kalt. Natürlich nicht so viel wie im Yellowstone Park, allerdings doch genug das ich in meinen Vans und Hollister Jacke friere. Wieder einmal bin ich verblüfft und verwirrt über meine neue Heimat. Selbst die Wüste ist hier nicht das was sie sein sollte. Glücklicherweise war Didi dann doch ein klein wenig mehr vorbereitet und hat mir noch eine Jacke gegeben. Wer jetzt  aber denkt ich wäre tatsächlich mal mit einem Profi unterwegs irrt sich. Didi ist nicht weniger, sonder vielleicht noch mehr tollpatschig und verplant wie ich. Kein Wunder das wir uns so gut verstehen. Es hat keine 5 Minuten gedauert bis Didi geblutet hat. Verletzt. An einem Stein. Beim hinfallen. Aber unsere Stimmung kann keiner, nicht mal der blöde Schnee oder das Blut, kaputt machen. Wir sind schließlich zusammen unterwegs und das an einem der schönsten Orte in Amerika. Und es gibt ja schließlich eine Heizung im Auto.

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Die haben wir auch dringend gebraucht als wir uns am nächsten Tag den Sonnenaufgang angucken wollten. Um 5 Uhr morgens klingelt der Wecker. Didis liebevoller und ruhiger Wecker. Ein Mix aus sanften Klängen des Hardcore Technos. In voller Lautstärke. Wie ich ihn hasse. Dieser scheiß Klingelton hat mich in Geisa schon jeden Morgen aus dem Schlaf gerissen. Blödes, blödes Teil. Aber nur weil ich jetzt die Augen aufhabe, bedeutet das ja noch lange nicht das ich auch wach bin. Das ist das Problem wenn man mit zwei Morgen Muffeln unterwegs ist. Man kommt ja doch nicht wie geplant los. Wie zwei Zombies uns zum Auto geschleppt nur um dann im Auto zu sitzen und halb zu erfrieren. Jetzt waren wir dann auch wach.

Sind dann zu einen der vielen Aussichtspunkte gefahren und haben uns den Sonnenaufgang angeguckt. Traumhaft. Die Sonne taucht den kompletten Canyon in Rot. Da steigt man gerne aus dem warmen Auto und friert. Andere Menschen waren schlauer wie wir und hatten Decken dabei. Nach diesem Wahnsinnsmoment sind wir dann erstmal wieder ins Hotel frühstücken. Tee, Kaffee, Kakao. Hauptsache warm!!!!

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Leider war meine Zeit in Arizona schon fast abgelaufen. Morgens um 6 (WIRKLICH liebe Airline- muss das sein?????) ging mein Rückflug. Also noch versuchen so viel wie möglich von Didis neuer Heimat zu sehen. Phoenix ist echt riesig! Von der Fläche 5-6-mal größer als Seattle. Und selbst da schaff ich es nicht von A nach B ohne Umwege. Aber zum Glück gibt es ja Smartphones mit Navi. Die Landschaft ist auch das komplette Gegenteil von Washington. Alles so braun und warm, hier und da Kakteen, die Sonne. Ja klar Wüste, ich weiß. Trotzdem sehr sehr schön.

Was machen also zwei 22 jährige Mädels an einem Abend in einer Studentenstadt wie Phoenix? Richtig- Feiern! Muss ja eh um 4 Richtung Flughafen. Da lohnt sich Schlafen ja auch nicht wirklich. Bei Didi fertig gemacht und ab ging es ins Partyviertel Old Town in Scottsdale. Atmosphäre vergleichbar mit einem etwas hochwertigeren Malle. Ein Vorteil wenn man nur mit Mädels unterwegs ist? Man muss nirgendswo anstehen.

Julia, Theresa, Aylin? Alle anderen dürfen diesen Absatz gerne überspringen! Selbst hier am anderen Ende der Welt werde ich noch vom gleichen Typ Mann angesprochen. Ich sag nur Palazzo und Lippenstift. Das lass ich mal so stehen.

Da Didi und ich beide gerne House und Techno Musik hören, und auch auf derartige Festivals in Deutschland gegangen sind, tanzen wir eben auch wie es sich in Deutschland so gehört. Shuffeln. Der einzige Unterschied zu daheim- das kennt hier keiner. Wir waren also die einzigen die wie blöd auf der Tanzfläche rum gehüpft sind. War schon verdammt lustig. Bis sich dann plötzlich ein Kreis um uns gebildet hat. Dance Battle. Jeder mehr oder weniger gut begabte Tänzer ist in den Kreis und hat gezeigt was er kann. Und das alles startet nur weil zwei Deutsche dachten sie müssten mal tanzen. Ich hab selten so gelacht. Wunderschöner letzter Abend für ein tolles Wochenende!!!

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Vom Club ging es dann direkt zum Flughafen. Hatte meinen ganz persönlichen Walk of Shame durch das Terminal. Lippenstift und Backpackerrucksack. Finde ich sollte man öfter tragen. Leider musste ich mich dann von Didi verabschieden. Wäre ich nicht zu müde gewesen, wären die Tränen geflossen. Wird mit der Zeit dann noch nicht einfacher. Schnell durch die Security und dann hieß es warten. Zu diesem Zeitpunkt war ich dann über 24 Stunden wach. Hätten uns echt einen anderen Tag für den Sonnenaufgang aussuchen können. Am Warten, musste ich mich echt zusammenreißen nicht direkt einzuschlafen. Die Leute haben eh schon blöd geguckt, da brauche ich ihnen nicht noch einen Grund geben. Irgendwann war es dann auch endlich soweit und ich durfte in den Flieger. Ich wollte nur noch schlafen!! Zu meiner großen Begeisterung, saß ich dann auch direkt am Eingang vom Flieger. Direkt an der Tür. Sonst hätte ich die zusätzliche Beinfreiheit wohl gefeiert. Aber nicht heute. Nicht in diesem Moment. Nicht morgens um 6. Nicht wenn es verdammt kalt ist. Die Stewardessen alle im Dicken Mantel die Leute begrüßt (ehrlich- Phoenix was ist mit dir los? Wo ist die Hitze?) und ich direkt daneben. Mit halb offenen Augen. Der Lippenstift wahrscheinlich total verschmiert und ohne Jacke. Das Schicksal meint es wohl echt nicht gut mit mir- Ich wollte doch einfach nur schlafen!!! Nach einer Gefühlen Ewigkeit wurden dann auch endlich die Türen geschlossen und ich konnte schlafen. Endlich. Beim Aufwachsen setzten wir gerade zum Landen an. Ich war wieder daheim- Hallo mein grünes, verregnetes Bellingham. Es waren zwar nur vier Tage aber du hast mir gefehlt. Vielleicht war es aber auch nur die Vorfreude auf mein Bett.

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