Mein Arztbesuch oder auch: Eine Reise ins Ungewisse
12. Januar 2016
Wenn ihr jetzt neue Geschichten aus dem Abenteuerlichen Leben den kleinen Maggi in Amerika hören wollt, muss ich euch leider enttäuschen. Wahrscheinlich ist das kommende Thema auch generell nicht sonderlich spannend, aber es ist eben mein Blog und schreibe hier nieder was immer mich beschäftigt und wer weiß, vielleicht kann ich einem anderen mit meiner Erfahrung weiterhelfen. Also falls dich das Amerikanische Gesundheitssystem nicht wirklich interessiert kannst du hier gerne aufhören und es nächste Woche noch einmal versuchen.
Man hat ja schon viel vom amerikanischen Gesundheitssystem gehört und naja, es war eben nicht sehr viel Gutes. Habe mich bevor ich nach Amerika kam auch nochmal von allen Ärzten daheim durchchecken lassen, dass ich bloß nicht hier irgendwo hingehen muss. Der Plan war gut, scheiterte allerdings an der Durchsetzung. Ich musste die Tage mal zum Arzt. Mama bevor du dir jetzt dein Handy schnappst und panisch eine SMS eintippst- es war nichts Schlimmes. Versprochen. Komme nicht mit einer gebrochenen Schulter nach Hause wie das letzte Mal.
Aber fangen wir mal von vorne an. Nach Silvester hat mein Auge angefangen dick und rot zu werden. Hat nicht weh getan und sah auch nicht allzu schlimm aus. Dachte am Anfang das liegt vielleicht an meinen Kontaktlinsen oder was auch immer, ist ja auch egal. Jedenfalls ging es nicht weg und ich wollte mal einen Arzt drüber gucken lassen. Wie bereits gesagt, hielt sich meine Begeisterung hier zum Arzt zu gehen in Grenzen. Nützt ja aber alles nix, fahren wir eben zum Arzt.
In unserer ersten Woche am College wurde uns die Walk-In Klinik empfohlen. Super, dachte ich mir, stellst du dir eben den Wecker und fährst da früh hin und gut ist. War auch super vorbereitet: Hatte Kaffee und ein Buch mit, weil Allison meinte es kann auch mal länger dauern. Ich also um 7 aufgestanden (was für mich im Moment verdammt früh ist als Arbeitslosen) und zur Klinik. Die ganze Vorbereitung nützt allerdings nix, wenn man Mitglied der falschen Versicherung ist. Dödöm.
Habe dann mal rein Interessehalber gefragt was es kosten würde wenn in trotzdem hier bleiben würde. 175$!!!!! 175 verdammt Dollar nur damit mich der Arzt überhaupt empfangen würde. Der Rest bei einer Diagnose? Alles oben drauf!! Ok- ja ne so wichtig war es mir dann doch nicht.
Hab dann im Auto ein paar Adressen von meiner Versicherung gesucht. Hab dann paar abgeklappert nur um von A nach B geschickt zu werden.
„Nein tut uns leid, Sie haben die falsche Versicherung“
„Gehen Sie doch mal zur Walk-In Klinik“
Oder auch gut „Oh tut uns leid wir sind KEINE Walk-In Klinik“
Also ganz ehrlich ich war kurz davor auszurasten. Nach zwei Stunden bin ich dann auch erst mal Heim gefahren und hatte beschlossen einfach nicht zum Arzt zu gehen. Wird schon nicht so schlimm sein. Aber Allison wäre ja nicht Allison, wenn sie mich nicht wieder zum Arzt geschickt hätte. Etwas motzig hab ich dann bei ein paar Ärzten angerufen und versucht einen Termin zu bekommen. Irgendwann hat das auch zum Glück geklappt.
Bin dann zum besagten Arzt gefahren (Oh wow, das kommt mir aber bekannt vor- ja ach ne hier war ich doch schon mal -.-). Mein stetiges Mantra im Kopf: Na wenigstens weißt du dann was es ist.
Doch bevor mich der Arzt sehen wollte, musste ich erst noch einen Berg von Papieren ausfüllen, mich wiegen und meine Größe messen lassen. Ich wiederhole: ich hatte nur etwas am AUGE! Nach einer gefühlten Ewigkeit und dem Berg von Papieren, kam dann endlich die Ärztin und hat sich mein Auge angeguckt. Der Hammer. Was genau das jetzt ist könnte sie mir jetzt auch nicht sagen. In diesem Moment wusste ich nicht ob ich weinen oder lachen sollte. Diese Diagnose hätte mir auch Dr. Google geben können. Ihr Rat: Wenn es schlimmer werden sollte, einfach wiederkommen. Ja ganz bestimmt Frau Doktor.
Mittlerweile ist mein Karl Dall Auge für arme auch nicht mehr ganz so schlimm. Das hab ich allerdings nicht der Ärztin oder dem amerikanischen Gesundheitssystem zu verdanken.
Ich finde es erschreckend wie Kliniken und Ärzte einen Patienten ablehnen können, nur weil man die falsche Versicherung hat. Wenn ich mir vorstelle ich hätte was Schlimmeres gehabt, nicht nur eine vielleicht Bindehautentzündung oder was auch immer, ich würde glaube ich echt durchdrehen.
Wer sich für das Amerikanische Gesundheitssystem interessiert, kann sie mal die folgende Dokumentation von Michael Moore angucken. Ist sehr zum Empfehlen (und eigentlich zum heulen). Zur Info: Das ganze findet noch vor „Obamacare“ statt. Es hat sich also etwas verbessert- nicht viel, nicht genug, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Ich kann wirklich nicht verstehen wie so viele Amerikaner gegen ein kontrolliertes Gesundheitssystem sein können. Billige Medikamente und kostenlose ärztliche Behandlung ist aber auch echt schlimm.